Andacht Frühjahrstagung der Fundraising-Beauftragen der EKD-Gliedkirchen am 20.03.2013

Joh. 6, 47 – 51

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Fundraisende,

in diesem Jahr fahren wir mit etlichen der Fundraising-Beauftragten unserer Kirchen auf den Kirchentag und werden uns dort beteiligen an dem Stand der Fundraisenden in der EKD. Darum schon heute eine kleine Einstimmung auf den Kirchentag, aber viel mehr noch auf  eine Geschichte, die auch in einer so geprägten Zeit wie der Passionszeit, in der wir jetzt sind, unser Fundraising mit bestimmen will.

Der diesjährige Kirchentag hat sich ja das Motto gegeben: „Soviel du brauchst“. Der Kirchentag verdichtet damit die Frage: Was brauchen wir als Kirche, um lebendige Kirche zu sein, und was brauchen wir vielleicht auch nicht? Was brauchen wir als Gesellschaft, um lebenswerte Gesellschaft zu sein, und was brauchen wir vielleicht auch nicht?
Für das Fundraising ist die Fragestellung: Was brauchen wir vielleicht auch nicht eher eine hinderliche Fragestellung, fragen wir im Fundraising doch immer viel mehr: Was brauchen wir, was wir noch nicht haben, aber dringend für unsere Handlungsfelder in der kirchlichen Arbeit benötigen.
Noch sind wir mitten in der Passionszeit, wo wir das Leiden und Sterben Jesu in all seinen Facetten bedenken. Für das Fundraising ist in dem Zusammenhang besonders hilfreich das Johannes-Evangelium. Das ganze Evangelium steht ja unter der Überschrift: Das Wort ward Fleisch, … und wir sahen seine Herrlichkeit (1,14).

Bei Johannes ist das, was wir gemeinhin als Passionsgeschichte bezeichnen, keine Leidensgeschichte. Es ist der Jesus vorbezeichnete Weg zur Verherrlichung. Bei Johannes gerät Jesu Weg zum Kreuz zur Inthronisation als König und sein letztes Wort am Kreuz wird nicht sein: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, wie bei Markus, sondern: Es ist vollbracht. Auch im Sterben verliert er nicht seine Hoheit. Und besonders gut und für das Fundraising geradezu prädestiniert passt dazu eines der Ich bin Worte Jesu: In Joh 6 heißt es:
Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.(47-51) So weit Johannes.
Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
Diese Erinnerung an das Manna aus der Wüste ist entlehnt aus der Geschichte von der Wüstenwanderung nach der Rettung aus Ägypten. Moses gab seinem Volk auf, das Manna auf dem Boden in Krüge aufzusammeln. Das Volk Gottes wandert durch die Wüste und darf die Erfahrung machen: Das, was wir von Gott bekommen, genügt, Gott kümmert sich um mich an jedem neuen Tag.

Das Motto des diesjährigen Kirchentags „Soviel du brauchst“ ist aus der gleichen Geschichte entlehnt, als Weisung Mose für jedes Zelt. Sammelt, so viel ihr braucht.
Die Worte aus dem Johannesevangelium geben die korrespondierende Antwort des Neuen Testamentes auf die Manna-Geschichte mit dem Volk Gottes. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist“ Das ist, soviel du brauchst. „Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit“! Mehr braucht es nicht.
Ich finde es faszinierend, wie sich bei Johannes der Akzent verschiebt. Das Volk Gottes wandert durch die Wüste und darf die Erfahrung machen: Das, was wir von Gott bekommen, genügt, es genügt für das tägliche Überleben. Jesus sagt auch, dieses Brot, das vom Himmel kommt, genügt. Mit einem feinen, aber bedeutenden Unterschied: Es genügt für das ewige Leben. Und damit wird aus der täglichen Überlebensration in der Wüste auf einmal eine Fülle, die in die Zukunft, die in die Ewigkeit reicht. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.“ Nicht mehr Mangel, sondern die Fülle ist das, was Jesus anbietet. Fülle von Leben bis hinein in die Ewigkeit.

Der Evangelist Johannes hat dies fein komponiert: Er lässt Jesus diese Worte sagen, nachdem die Jünger und fünftausend Zuhörer die ganz sinnliche Erfahrung von Fülle machen durften. Jesus reicht fünf Brote und zwei Fische. Nach dem Mahl werden die Reste eingesammelt. Es sind zwölf Körbe voll. Was aus fünf Broten und zwei Fischen werden kann, wenn sie geistlich weiter gereicht werden…
Auch nach mehr als einer Woche bin ich noch sehr erfüllt von dem dritten Tag Rheinischer Presbyterinnen und Presbyter, den wir am vorletzten Samstag gefeiert haben.
Da wurde mir wieder einmal deutlich vor Augen geführt, was für eine Fülle von Charismen und Begabungen wir in unsere Kirche haben. Zwar ist meine Sicht ganz geprägt von nur einem der acht Foren, vom Forum 7. Da ging es um das Thema „Schätze sammeln“ und natürlich besonders um die Schätze in unserer Kirche.

Drei Beispiele:
Unsere Leiterin der landeskirchlichen Gebäudeverwaltung Gudrun Gotthard zauberte ein Glänzen in die Augen von ihren Workshop-Teilnehmenden mit Vorher-Nachher Bildern von gelungenen Kirchraumumbauten. Wenn Architektur und ihr Umgang damit das Charisma ist, eine Gemeindekonzeption vor Ort im Kirchenraum Gestalt werden zu lassen, ist das ein bestimmendes Kernelement von Gemeindeaufbau. Wenn das Abendmahlsverständnis den Altarraum gestaltet, kann ich mich im Vollzug des Sakramentes wohlfühlen. In unserem Kreis ist es kein Geheimnis, dass Fundraising-Aktivitäten rund um renovierungs- oder restaurierungsbedürftige Kirchen Menschen weit jenseits unserer Kerngemeinden erreichen und dass die Kirche als Kulturgut eine hohe Wertschätzung erhält.
Fünf Brote und zwei Fische und zurück kamen zwölf Körbe voll…
Der Leiter unseres Erwachsenenbildungswerkes Gerrit Heetderks berichtete von einer Gemeinde, die Ehrenamtliche gewinnen wollte. Mit Unterstützung unseres Zentrums für Innovative Seniorenarbeit luden sie Menschen ein, die mit anderen etwas für sich tun wollten. Mit 30 Interessenten hatten sie gerechnet. Über 40 freuen wir uns, hieß es. Es kamen mehr als einhundert Menschen. Jede und jeder durfte seine Herzensangelegenheit benennen und konnte sich mit anderen zusammenfinden. Heute - drei Jahre nach dieser Aktion - gibt es immer noch 16 Gruppen, die sich regelmäßig treffen und das Gemeindeleben dieser Gemeinde nachhaltig bereichern. Ein großes Staunen bei den Presbytern, die gekommen waren, weil sie es so unendlich schwer fanden, Ehrenamtliche zu gewinnen.
Fünf Brote und zwei Fische und zurück kamen zwölf Körbe voll.
Die Fundraiserin des Kirchenkreises Bonn, Katrin Jürgensen, stellte vor und sammelte in ihrem Workshop Erfahrungen ein, die Kirchengemeinden mit Fundraising-Projekten gemacht hatten. Eine Fülle unterschiedlichster kreativer Ideen in unseren Gemeinden.
Fünf Brote und zwei Fische und zurück kamen zwölf Körbe voll.
Erlebt haben wir auf diesem Presbytertag fast 800 Presbyterinnen, die von ihrer Landeskirche noch viel erwarten und Presbyter, die weiter willens und bereit sind, einen großen Teil ihrer Lebenszeit für unsere Kirche einzusetzen und zu spenden. Ich habe schon an mehreren Stellen versucht, sehr deutlich zu sagen: Bei uns in unserer Kirche sind das die Großspenderinnen und Großspender: Menschen, die uns einen Teil ihrer Lebenszeit spenden, und da meine ich nicht nur die Presbyter, sondern die Ehrenamtlichen insgesamt. Sie müssten in unserer Rheinischen Kirche, vielleicht aber auch in Ihren Landeskirchen,  noch viel mehr im Mittelpunkt unserer Fundraising-Strategien stehen.
Und wenn dieses Engagement der Ehrenamtlichen und eine Atmosphäre zum Spenden von Zeit zur Gestalt unserer Kirche gehören, so ist das nicht als Mangel, sondern auch als Fülle zu beschreiben. Ich habe Presbyter erleben dürfen, die den Wandel unserer Kirche aktiv mitgestalten möchten.
Fünf Brote und zwei Fische und zurück kamen 12 Körbe voll…

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auch Sie und Ihr gestaltet ihr Fundraising in einer Zeit, wo wir als Kirchen gerade nicht  auf die Wahrnehmung von Fülle von Gaben und Begabungen konzentriert sind, der Blick auf den Reichtum unserer Kirche ist ein eingegrenztes Privileg von uns Fundraisern. Das ist mir schon klar. Denn diese Botschaft Jesu von der Fülle dieses: Ich bin das Brot des Lebens trifft ja auf Kirchen, die sich gerade aufgabenkritisch fragen: Wie viele Orte brauchen wir in unserer Kirche, damit diese Botschaft bei den Menschen noch ankommen kann? Wie viele Funktionen und welche benötigen wir dauerhaft, um Menschen in ihrer jeweiligen Situation zu erreichen und um als Kirche zukunftsfähig zu bleiben? Wer dabei das Gefühl bekommt, nur noch Mangel verwalten zu können, ist vor Schwermut nicht mehr geschützt. Und schwermütige Fundraiser sind das Letzte, was unserer Kirchen gebrauchen können. Sie hätten keine Chance, sich mit den Visionen von lebenswertem und gelingendem Leben zu beschäftigen, sie zu beschreiben und ihre Projekte darauf auszurichten.
Wir brauchen den Blick auf die Fülle. Er darf uns nicht versperrt werden. Darum gilt für uns ganz besonders:
Wo wir selbst davon überzeugt sind, dass Jesus Christus für uns und für seine ganze Kirche das Brot des Lebens ist, dürfen wir glauben und der Verheißung Jesu trauen: Dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. Und das weist sogar noch weit über die eigene Kirche hinaus: nicht für das Leben der Kirche, nicht für das Leben von Christen allein. Jesu Verheißung ist universal. Es geht um nicht weniger als um das Leben der Welt.
Und wie immer sie auch aussehen mag: Kirche in der Nachfolge Jesu ist nicht nur Kirche für das Volk, sondern Kirche für die Völker. Und wir dürfen mit der Gestalt unserer Kirche und mit der unserer Fundraisingarbeit Anteil daran haben.
Verdichte ich die Botschaft des Johannes für uns Fundraisende auf einen Satz, könnte er lauten: Freue dich! Denn
Soviel du brauchst, ist Brot des Lebens für die Welt.
Das genügt.
Amen.

Fürbitten
Du hast, reicher Gott,
dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt.
Lass auch uns keinen Mangel haben an Leib und Seele. Sei unser Halt und Trost, dass auch wir in unseren Kirchen einander halten und trösten können.
Jesus Christus, du hast dich gegeben als Brot des Lebens für diese Welt.
Sättige uns mit diesem Brot, dass wir aus deiner Kraft leben, einander mit Liebe begegnen und deinen Weg zum Kreuz als weltumspannende Botschaft zur Rettung deiner Welt wahrnehmen und glauben können.
Heiliger Geist, du hat die Charismen, die die nach dir benannten Gaben, uns geschenkt, damit wir aus dieser Fülle heraus deine Kirche mitgestalten.
Entzünde und erhalte in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe, das Glauben weckt und Kirche formt.
Vater Unser im Himmel…

Joachim Müller-Lange
Fundraising-Beauftragter
der Evangelischen Kirche im Rheinland

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In der Kolumne des Monats räumt Dirk Buchmann, Fundraising-Beauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, auf mit dem Gedanken, dass Fundraising etwas mit Betteln zu tun haben könnte.

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