Das Projekt:

Die Martinskirche in Kirchheim/Teck hat einen maroden Dachstuhl. Das Dach ist undicht und so sind auch einige Balken morsch geworden. Die Renovierungskosten betragen insgesamt 820.000 Euro, von denen 100.000 Euro durch die Gemeinde aufgebracht werden mussten. Der Rest der Kosten wird u. a. vom Land, der Kommune und der Gesamtkirchengemeinde übernommen.

Die Dachpaten:

Zunächst hat die hohe Summe von 100.000 Euro die Gemeinde erschreckt, aber schon bald setzte das kreative Denken ein. Dabei war es wichtig sowohl den Betrag als auch das Vorhaben begreifbar zu machen. Dazu wurden die Materialkosten pro Quadratmeter ermittelt. So wurde aus der großen Gesamtsumme ein Häppchenpreis von 48,50 Euro pro Quadratmeter Dachfläche errechnet. Ein originalgetreues Modell der Martinskirche veranschaulicht in der Kirche das Vorhaben. Dabei wurde das Dach in einzelne Flächen mit je einem Quadratmeter aufgeteilt und an die Paten „verkauft“.

Für jede erfolgreiche Patenschaft erhielt das Dach einen Miniaturziegel, so dass der jeweilige Fortschritt immer erkennbar ist. Außerdem bekommt jeder Spender eine Patenurkunde. Zusätzlich wurde ein „Original-“ Quadratmeter Dach neben dem Miniaturmodell aufgestellt, damit sich die Besucher der Kirche ein genaues Bild der Größe eines Quadratmeters machen konnten. Auf einem Patenauftrag, können sich die Kirchenbesucher eintragen und eine Patenschaft übernehmen.

Weitere Aktionen:

Neben dem Modelldach zeigte ein Spendenbaum auf dem Kirchplatz den jeweiligen Spendenstand an. Für jeweils 5.000 Euro eingegangene Spenden, wurde dort ein bunter Ast angebracht. Der Spendenstand war damit für alle sichtbar.

Darüber hinaus wurde die „Martinsspardose“ an Privat- und Geschäftsleute verteilt. Über diese Kirche aus Pappe konnten am „Martinsspartag“ weitere 3.000 Euro gewonnen werden.

Durch Benefizkonzerte haben auch lokale Chöre und Vereine geholfen.

Außerdem haben ambitionierte Bäckerinnen der Gemeinde eine schwäbische Spezialität für die Kirche gebacken. Die echten „Springerle“, die als Motiv mit dem Schlussstein des Chorraumes der Kirche große Zustimmung finden. Ursprünglich für den Weihnachtsmarkt gebacken, sind sie so begehrt, dass es sie nun auch zu anderen Anlässen gibt.

Das Baugerüst soll nun als Werbefläche genutzt werden, um weitere Einnahmen zu realisieren. Dieses Vorhaben verzögerte sich durch die „Sommer-Bewohner“ des Daches. Das „Große Mausohr“, eine seltene Fledermausart, muss geschont und geschützt werden.

Ergebnis:

Die Spendensumme von 100.000 Euro wurde bereits erreicht.

Die Dachpatenkampagne, viele kreative Aktionen und eine große Beteiligung haben das erreicht. Für das Fundraising-Team der Martinskirche ist das allerdings kein Grund aufzuhören, sondern eine Motivation zum Weitermachen. Die nächsten Aufgabenfelder sind schon gefunden: Die Wände sowie der Innenraum der Kirche.

Gekrönt wurden die bisherigen Aktionen auch bereits: Die Martinskirche wurde mit ihrer Idee auf der 4. Fundraising-Schau der Württembergischen Landeskirche mit dem ersten Platz in der Kategorie „Einzelmaßnahmen“ ausgezeichnet.

Werner Dresel

werner.dresel@incoma.de

 

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