Mehrjährige Kampagnen,  z.B. für große Sanierungsprojekte, sind für Kirchengemeinden nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist es nicht ganz leicht, dieselben Personen immer wieder zur Unterstützung zu motivieren oder auch ganz neue Spenderinnen und Spender zu gewinnen. Ein wichtiger Grundsatz für solche Kampagnen lautet:

Bleiben Sie im Gespräch!

Fundraising ist ein ständiger Kommunikationsprozess, besonders bei mehrjährigen Kampagnen. Und dabei geht es sowohl um die interne als auch um die externe Kommunikation. Es gilt, möglichst in den Köpfen der Menschen zu bleiben und zwar bis zum erfolgreichen Ende der Kampagne. Wie Sie ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben können, sollen Beispiele der Spendenkampagne der Stadtkirche Wittenberg deutlich machen.

Interne Kommunikation
Die Kommunikation beginnt im eigenen Haus. Es ist fatal, wenn zwischen Fundraising-Team und Gemeindegruppen die Kommunikation nicht funktioniert. Fundraising braucht Informationen zu Projekten, um diese erfolgreich bewerben zu können. Nur auf Basis dieser Informationen können geeignete Fundraising-Maßnahmen überlegt und geplant werden. Wenn wir beim Beispiel der Kirchensanierung bleiben, dann ist der Informationsfluss zwischen Bauleitung und Fundraising-Team von großer Wichtigkeit. Welche Arbeiten stehen in den nächsten Wochen/Monaten an? Welche Kosten fallen für welche Objekte oder Bauabschnitte an? Über diese Fragen müssen alle Beteiligten im Gespräch bleiben. So können z.B. konkrete „Angebote“ an Spender gemacht werden. Dass Spenderinnen und Spender am liebsten für einen bestimmten Zweck oder ein Objekt geben, ist bekannt und auch nachvollziehbar.

Für die Antragstellung bei Förderstiftungen (z.B. Deutsche Stiftung Denkmalschutz oder Stiftung zur Bewahrung Kirchlicher Baudenkmäler), die immer vor Projektbeginn erfolgen muss, sind diese Informationen ohnehin unerlässlich.

Wer für das Fundraising einer solchen Kampagne zuständig ist, sollte möglichst viele Informationen sammeln, um sie für die Kampagne zu nutzen. Es ist keine böse Absicht, dass man Dinge vielleicht nicht erfährt. Darum sind regelmäßige Treffen zum Informationsaustausch dringend zu empfehlen. So lassen sich motivierende Angebote für Spenderinnen und Spender kreieren und Anlässe, wie z.B. prominente Besucher, für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Außerdem ist es wichtig, dass z.B. das Gemeindebüro über den Stand der Kampagne auf dem Laufenden ist; denn es ist die erste Anlaufstelle für Fragen oder auch Kritik. Der erste Eindruck ist entscheidend und wenn die Pfarramtssekretärin auskunftsfähig ist, ist dieser Eindruck positiv. Sehr wichtig sind auch die – meist ehrenamtlichen – Kirchenführer und „Kirchen-Wächter“ am Informationsstand in der Kirche. Besucher gehen selbstverständlich davon aus, dass diese Personen sich auskennen und Auskunft geben können über die Kirche und das Sanierungsprojekt. Durch regelmäßige Informationen an diesen Personenkreis können  Enttäuschungen vermieden werden.

Externe Kommunikation
Eine regelmäßige Kommunikation nach außen ist Voraussetzung für gelingendes Fundraising. Dabei geht es um den Kontakt zu Interessenten, um die Beziehungspflege mit Unterstützerinnen und Spendern und um die Information der Öffentlichkeit. Alle  diese Zielgruppen sind gleichermaßen wichtig. Selbstverständlich wird in jedem Gemeindebrief über den Sanierungsstand informiert.

Da die Wittenberger Kampagne sich nicht nur an Wittenberger Bürger richtet sondern eine bundesweite, ja weltweite Öffentlichkeit braucht, wurden auch Kontakte zu überregionalen Zeitungen und Zeitschriften geknüpft. In einem Chrismon-Interview mit dem Schirmherrn und dem Kabarettisten Lars Reichow wurde Bezug genommen auf die Spendenkampagne. Die Kirchen-Zeitschrift „Luther“ ( Reichweite Baden-Württemberg brachte einen mehrseitigen Artikel, im Mitgliedermagazin des Evangelischen Bundes wurde eine Beilage platziert, um nur einige Beispiele zu nennen.


 

Die Menschen vor Ort
Kommunikation ist nicht auf Print- oder Online-Kanäle beschränkt. Dinge sprechen sich herum, wenn sie nach außen kommuniziert werden. Bei der Spendenkampagne der Stadtkirche Wittenberg hat sich z.B. eine Frau gemeldet und angeboten, 95 Paar Thesensocken zu stricken. Durch die Öffentlichkeitsarbeit war sie aufmerksam geworden auf die Spendenkampagne und hat überlegt, wie sie sich und ihre Talente einbringen kann. So ist inzwischen ein vierstelliger Betrag zusammen gekommen. Der Gedanke, ein maßstabsgerechtes Modell der Wittenberger Stadtkirche als Spendenkirche bauen zu lassen, musste wegen der Kosten fallengelassen werden. Die Idee blieb aber nicht nur in den Köpfen des Arbeitskreises, sondern wurde weiter getragen in der Stadt. So bot sich schließlich ein Hobby-Modellbauer an, ein Modell der Kirche zu bauen. Das fertige Modell brachte dann wiederum einen örtlichen Bäckermeister auf die Idee, Stadtkirchenkekse herzustellen und zugunsten der Stadtkirche verkaufen. Beim Kirchentag in Hambrg wurde die Kampagne von Vertretern der Stadtkirche vorgestellt.

Foto: Kirchentag in Hamburg

Presse, Funk und Fernsehen
Je Länger die Kampagnendauer, desto länger muss der Informationsfluss gehalten werden. Dafür lassen sich auf jeden Fall der eigene Gemeindebrief, auch die Kirchenzeitungen und das Internet nutzen. Gut gepflegte – und möglichst persönliche - Kontakte zur örtlichen Presse werden sich auszahlen. Laden Sie Pressevertreter zu allen Veranstaltungen ein. Dennoch ist es nicht ganz einfach, mit Berichten über Ihr Projekt in die Presse zu kommen. Dass Ihre Kampagne jetzt im zweiten Jahr mit großem Engagement und vielen Unterstützern läuft, ist für die regionale Zeitung nicht interessant. Wenn ein Großspender einen Scheck in fünfstelliger Höhe überreicht, dann ist das evtl. einen Bericht Wert. Interessant wird es für die Medien, wenn Sie spektakuläre Aktionen anbieten können. Diese sollten über Pressemeldungen angekündigt werden.Für die Wittenberger Kampagne hat RTL kostenlos die Videos der Stadtkirche gesendet und damit die Kampagne bundesweit bekannt gemacht.

Der Schirmherr
Eine prominente Persönlichkeit trägt Ihr Anliegen in ihre Welt und bringt mediale Aufmerksamkeit. Bei mehrjährigen Kampagnen ist das von unschätzbarem Wert. Vor allem wenn sich z.B ein Schirmherr aktiv für die Kampagne einsetzt. Schirmherr der Wittenberger Kampagne ist der Opernsänger und Fernsehmoderator Gunther Emmerlich, der sich allenthalben stark macht für die Wittenberger Stadtkirche. Er hat mehrere Benefizkonzerte zugunsten der Stadtkirche durchgeführt, als „Friedrich der Weise“ an einer Wanderung teilgenommen und vieles mehr. Die Konzertbesucher sind seinetwegen ins Konzert gegangen; ob sie einem Spendenaufruf der Stadtkirche gefolgt wären, ist fraglich.


Foto: Gunter Emmerlich sammelt beim Stadtfest-Umzug

 

Beim Reformationsfest 2013 hat der Schirmherr auf dem Marktplatz bei einer Versteigerungsaktion gegen die Wittenberger Bürger gewettet. Die Wette lautete: „Ich wette, dass die Wittenberger Bürger es nicht schaffen werden, mich beim nächsten Stadtfest in Geld aufzuwiegen“. (Anmerkung: Beim Stadtfest Anfang Juni wird jedes Jahr Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora gefeiert.) Gunther Emmerlich ist 1,92 m groß und eine sehr stattliche Erscheinung.

Foto: Kinder bringen Münzen zur Waage

 

Es war zu befürchten, dass viel Geld erforderlich sein würde, um die Waage ins Gleichgewicht zu bringen.  Zum Sammeln von Münzen, die bekanntlich schwerer wiegen als Scheine, wurden „ummantelte Konservendosen“ ausgeteilt. Und natürlich haben die Wittenberger die Wette gewonnen! Die Wiege-Aktion beim Stadtfest 2014 brachte eine große  mediale Aufmerksamkeit. Neben den Printmedien hat auch der MDR darüber berichtet.


Foto: Gunther Emmerlich hat seine Wette verloren

 

Nach diesem großen Erfolg wurde das Stadtfest 2015 ebenfalls für eine besondere Aktion genutzt. Auch wenn der Schirmherr dieses Mal nicht dabei sein konnte. Dass der frisch getraute  „Martin Luther“ von der Höhenrettung der Feuerwehr gegen Spenden und nach dem Motto „Lasst den Luther nicht hängen“ am Kirchturm – wo seine Angetraute „Katharina“ auf ihn wartete – hochgezogen wurde, fand ebenfalls großes Interesse bei allen Medien.

Foto:Martin Luther am Kirchturm

 

Solche Aktionen locken viele Menschen an, die vor allem Spaß daran haben. Wenn es im Nachhinein noch  eine gute Presse gibt, hat sich der Aufwand schon gelohnt, auch wenn der finanzielle Ertrag nicht herausragend ist.

 

Online-Kommunikation
Bilder prägen sich schneller und besser ein, als Texte. Dass zur Veranschaulichung von Spendenprojekten Fotos verwendet werden, ist selbstverständlich. Auch gibt es kaum noch Gemeinden ohne Internetseite. Es ist aber darauf zu achten, dass Offline-Texte nicht 1:1 ins Internet übernommen werden. Das Internet ist ein schnelles Medium und das gilt auch für seine Nutzer. Der Besucher will schnelle und einleuchtende Infomationen. Es läßt sich prima nutzen, um den Baufortschritt z.B. in einem regelmäßigen Baustellentelegramm mit vielen Bildern zu dokumentieren. Noch besser als Bilder können bewegte Bilder das Anliegen verdeutlichen. Ein kurzes Video, dass Sie für die Website und z.B. auf facebook einstellen, hilft, ihre Kampagne weiterzutragen. Über facebook-Freunde, die Ihren Eintrag „teilen“  werden noch einmal andere Menschen erreicht. Eines der Videos für die Stadtkirche finden Sie auf deren Website unter http://www.stadtkirchengemeinde-wittenberg.de

Fazit:
Die genannten Kommunikationsmittel und –wege bringen nicht unbedingt große Erträge. Aber sie sorgen dafür, dass Sie mit Ihrer Kampagne im Gespräch bleiben.

 

 

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In der Kolumne des Monats räumt Dirk Buchmann, Fundraising-Beauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, auf mit dem Gedanken, dass Fundraising etwas mit Betteln zu tun haben könnte.

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