Förderstiftungen

Anträge an Förderstiftungen bieten grundsätzlich gute Chancen für die Finanzierung von Großprojekten. Zum einen können durch einen Antrag relativ hohe Beträge erlangt werden zum anderen sind fördernde Stiftungen zur Gewährung von Fördermitteln satzungsgemäß verpflichtet. Die meisten Stiftungen erhalten allerdings viel mehr Anträge, als sie bewilligen können. Und so manche Stiftung muss aufgrund der geringen Kapitalerträge derzeit ihre Fördertätigkeit ein-schränken.

Zunächst ist also die Frage: Braucht Ihr Projekt Stiftungsförderung? Können Sie den nicht unerheblichen Aufwand von Recherche, Antragstellung und Abwicklung leisten? Wenn Sie Förderstiftungen in den Blick nehmen möchten, sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Sie haben ein klar umrissenes Projekt
  • Bei großen Bauvorhaben kann es sinnvoll sein, in einzelne Bauabschnitte zu unterteilen. Es können dann für die einzelnen Bauabschnitte Stiftungsanträge gestellt werden.
  • Das Projekt ist noch nicht begonnen worden
  • Eine umfassende Projektbeschreibung (mit Fotos) liegt vor
  • Ein vollständiger Kostenplan ist erstellt worden
  • Die personellen Ressourcen sind vorhanden

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen verzeichnet ca. 20.000 Stiftungen. Dazu kommt noch einmal (mindestens) die gleiche Zahl kirchlicher Stiftungen. Es ist also reichlich Auswahl vorhanden. Aber wo und wie finden Sie die richtige Stiftung? In Frage kommen Förderstiftungen, deren satzungsgemäßer Zweck zu Ihrem Projekt passt. Das heißt z.B. für die Sanierung ihrer denkmalgeschützten Kirche kommen grundsätzlich Stiftungen in Frage, die im weitesten Sinn Denkmalschutz, vielleicht auch Kultur/Kunstprojekte fördern.

Welche Stiftungen gibt es?
Vielleicht gibt es auch in Ihrer Landeskirche eine Stiftung, z.B. zur Erhaltung von Kirchgengebäuden? Dann ist das natürlich der erste Weg. Die Stiftungen in Ihrem Umfeld werden Sie kennen oder Sie erkundigen sich bei Ihrer kirchlichen Stiftungsaufsicht. Für die Kirchensanierung haben Sie sicher die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) im Blick. Haben Sie für die Restaurierung Ihrer Orgel an die Stiftung Orgelklang gedacht (www.stiftung-orgelklang.de)?

Viele Stiftungen sind im Bundesverband Deutscher Stiftungen organisiert. Sie sind unter www.suche.stiftungen.org zu finden. Dort kann nach Förderzwecken und konkreten Aufgabengebieten sowie nach Orten und Bundesländern gesucht werden. Dies ist das umfangreichste On-line-Portal fördernder Stiftungen und es kann kostenfrei genutzt werden. Das zweite große Stiftungsverzeichnis, der Maecenata Stiftungsführer, vom Maecenata-Verlag muss als gedrucktes Werk gekauft werden (www.verlag.maecenata.eu). Wenn Sie bei Google „Stiftungen“ und Ihr Bundesland eingeben, gelangen sie zum Stiftungs-Verzeichnis des Bundeslandes. Eine Übersicht über die Bürgerstiftungen bietet das Portal www.die-deutschen-buergerstiftungen.de. Hier kön-nen Sie ebenfalls nach Förderzwecken suchen.

Welche Stiftung passt für Ihr Projekt?
Für Ihr Kirchensanierungsprojekt werden nicht alle Stiftungen in Frage kommen, die Sie bei der ersten Suche zum Thema „Denkmalschutz“ gefunden haben. Die Suche unter den Stichworten: „Denkmalschutz, kirchlich, Hessen, fördernd“ ergibt z.B. 55 Adressen. Vielleicht lässt sich in der Kurzdarstellung bereits erkennen, ob die Stiftung zu Ihnen passen könnte. Andernfalls müssen Sie alle Stiftungen einzeln aufrufen. Nun gilt es zu ermitteln, ob wirklich passt, was passend scheint. Je mehr Sie an dieser Stelle über die Stiftung herausfinden, umso leichter wird die Antragstellung. In der Regel haben Förderstiftungen klare Regeln für die Mittelvergabe. Wenn diese mit Ihrem Antragszweck übereinstimmen, lohnt sich die genaue Prüfung der Richtlinien und Möglichkeiten. Gibt es ein Antragsformular? Welche Unterlagen und Belege müssen beigefügt werden? Wie sehen die Antragsbedingungen aus? Gibt es Antrags- und Entscheidungsfristen? Wer entscheidet? Vielleicht gibt es in Ihrem Netzwerk Kontakte zur Stiftung? Welche Förderanträge wurden im letzten Jahr bewilligt? Diese Information kann hilfreich sein, wenn Sie überlegen, in welcher Höhe Ihr Antrag Erfolgsaussichten hat. In den Förderrichtlinien finden sich auch Hinweise darauf, was von der Förderung ausgeschlossen ist. So werden in der Regel keine Personalkosten übernommen, es sei denn, es handelt sich um Projektstellen. Sinnvoll kann der Erfahrungsaustausch mit Vertretern geförderter Projekte sein, die Sie aus dem Jahresbericht der Stiftung ermit-teln können. Und falls nicht klar wird, ob Ihr Projekt zum Profil der Förderstiftung passt, hilft immer eine telefonische Anfrage.

Es ist legitim, parallel mehrere Stiftungsanträge zu stellen. Haben Sie keine Sorge, dass die eine Stiftung nichts von der anderen wissen darf. Im Gegenteil: Stiftungen möchten wissen, wer noch mit im Boot ist und begrüßen es, wenn der Finanzierungsplan verschiedene Drittmittelquellen ausweist.

Wie Stiftungen fördern
Stiftungen fördern in der Regel ergänzend und in der Regel Projekt bezogen, weil Projekte einen klar definierten Anfang und ein ebensolches Ende haben. In den Stiftungsantrag sollten Sie viel Zeit und Sorgfalt investieren. Beachten Sie die Förderrichtlinien, Fristen und Formalia genau. Wichtig ist: Ihr Antrag muss rechtzeitig vor Projektstart und mit einem angemessenen Vorlauf auf die entsprechende Sitzung des Entscheidungsgremiums gestellt werden.  Rechnen Sie bei größeren Stiftungen mit einer mehrmonatigen Bearbeitungszeit. Ein bereits abgeschlossenes Projekt hat kaum Aussicht auf Erfolg. Bei den meisten Stiftungen kann man sich durchaus mehrfach um Fördermittel bewerben. Sie müssen in angemessenem Maß Eigenmittel einbringen und die Gesamt-finanzierung des Projektes nachvollziehbar offenlegen. Üblicherweise wird ein Finanzierungsplan gefordert. Den brauchen Sie bei langfristigen Projekten ohnehin.

Projektrealisierung
Toll, wenn Ihr Antrag erfolgreich ist. Sie erhalten eine freundliche Zusage und vielleicht einige Auflagen. Die meisten Stiftungen verlangen nach Abschluss des Projektes (bei sehr langfristigen Projekten auch zwischendurch) Verwendungsnachweise und Berichte. Die Bedingungen bzw. Erwartungen der Stiftung werden im Bewilligungsschreiben benannt. Halten Sie diese Anforderun-gen und genannte Abgabefristen genau ein. Man wird sich bei einem evtl. nächsten Antrag daran erinnern, dass Sie ein verlässlicher Partner sind.

Und wenn nicht? Obwohl Sie alles richtig gemacht haben, konnte die Stiftung Ihren Antrag nicht berücksichtigen, weil die Mittel nicht ausreichten? Lassen Sie sich nicht entmutigen. Ihrem form- und fristgerechten Antrag kann ein weiterer folgen. Ob Sie gefördert wurden oder nicht: halten Sie den Kontakt zu „Ihren Stiftungen“ ebenso, wie Sie ihn zu Spendern und Stiftern halten.

 

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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Literaturverzeichnis

 

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