Muss es immer Geld sein?

Denken Sie bei Ihren Fundraising-Aktionen oder Ihrer Spendenkampagne über den Geldbeutel Ihrer Unterstützer hinaus.

Sicher sind so manche Aktionen in Ihrer Gemeinde erfolgreich gelaufen. Es gab viele Unterstützerinnen und Unterstützer. Der Förderverein oder Förderkreis erhält regelmäßig Spenden -  die eine verlässliche Einnahmequelle darstellen.

Vermutlich wird es aber auch in Ihrer Gemeinde Menschen geben, denen es schwer fällt, Sie mit Geldspenden zu Unterstützen. Junge Familien zum Beispiel, die eine hohe finanzielle Belastung für den Hausbau abtragen oder Menschen, deren monatliche Einkünfte nur knapp für den Lebensunterhalt ausreichen. „Ja, wenn ich könnte, würde ich doch gern helfen, aber leider reichen meine Mittel dazu nicht aus“ mag der Eine oder die Andere denken. Wer sich bei großen Spendenaktionen in der eigenen Gemeinde nicht beteiligen kann, fühlt sich oft ausgegrenzt, als gehöre er oder sie nicht dazu.

Kleine Unternehmen in Ihrer Gemeinde haben unter Umständen ähnliche Probleme. Es wurden vielleicht Investitionen getätigt und nun müssen Darlehn abgezahlt werden. Eine größere Spende, die Sie für Ihre Kirchensanierung erwarten, fällt dann schwer. Versuchen Sie daher, Unterstützungsangebote zu machen, die weder Privatpersonen noch Unternehmen überfordern.

Bedarfsklärung
Am Anfang jeder Fundraising-Planung steht die Frage, was benötigt wird. Wie hoch sind die Gesamtkosten? Welche Zuschüsse der Landeskirche und anderer Institutionen sind sicher und was muss die Gemeinde selbst beisteuern? An dieser Stelle sollten sie genau überlegen, ob Sie wirklich nur Geld benötigen oder was Ihnen sonst noch weithelfen kann.

Bei einem großen Sanierungsprojekt ist es hilfreich, bei der Bedarfsklärung den Architekten oder die Architektin mit einzubeziehen. Lassen sich durch Eigenleistung Kosten sparen? Für welche Arbeiten werden keine Fachkräfte benötigt? Bei einer denkmalgeschützten Kirche ist das nicht so einfach, dennoch gibt es auch hier Möglichkeiten. Wenn z.B. bei der Innensanierung der Kirche eine Fußbodenheizung installiert werden soll, ist klar: die Kirche muss vollständig leer geräumt werden. Dabei können Gemeindeglieder und andere Freiwillige helfen. Ebenso bei der Endsäuberung oder vielleicht beim Wiedereinbau der Bänke. Natürlich sind die Kosten für solche Arbeiten in der Planung kalkuliert. Aber bedenken Sie: Geld, was Sie nicht ausgeben müssen, müssen Sie auch nicht fundraisen.

Sachspende
Neben einer Sponsoringleistung oder einer Geldspende, kann ein Unternehmen auch eine Sachspende geben. Häufig ist diese leichter zu bekommen, als Geld. Und oft sind Sachspenden der Einstieg  für längerfristige auch finanzielle Förderung. Sie kennen die Kleider- oder Schuhspenden für den guten Zweck (z.B. Bethel, Deutsche Kleiderstiftung). Die Erträge sind nicht hoch, aber jeder kann sich beteiligen und die Aktionen sind sicher gemeinschaftsfördernd. Gerade bei Events bieten Sachspenden unendliche Möglichkeiten und sind eine wichtige Hilfe: gespendete Speisen und Getränke, kostenfreie Müllbehälter und deren Abtransport durch das kommunale Abfallwirtschaftsunternehmen, geschenkte Holz-Paletten als Sitzmöbel, bedruckte T-Shirts für den Sponsorenlauf, Gewinne für die Tombola, Selbstgebasteltes oder Selbstgebackenes für den Basar etc. Sachspenden sollten Sie – auch im Blick auf Beteiligungsmöglichkeiten -  in Ihrem Fundraising-Mix einplanen.

Aufwandsspende
Eine andere Möglichkeit: Bei der Kirchensanierung sind sehr viele, oft örtliche Unternehmen beteiligt. Diese Unternehmen könnten eine Aufwandsspende leisten. Das bedeutet, das Unternehmen stellt eine Rechnung für tatsächlich erbrachte Leistungen und erklärt zugleich auf der Rech-nung den Verzicht auf Erstattung gegen Ausstellung einer Zuwendungsbestätigung. Vorausset-zungen für die Aufwandsspende sind, dass die Leistung tatsächlich erbracht wurde, die Rechnung im Wert angemessen ist und dass Sie die Rechnung tatsächlich auch hätten bezahlen können. Damit wird (in den Augen der Finanzbehörde) die Freiwilligkeit der Gabe durch den Handwerksbetrieb sichergestellt. Allerdings haben Aufwandsspenden für den Handwerksbetrieb einen großen Nachteil: Er muss die Umsatzsteuer abführen und dafür erhält er keine Zuwendungsbestätigung. Das sollten Sie ihm vorher ehrlich sagen.

Eine ähnliche Möglichkeit ist die Nutzungsspende. Da stellt Ihnen zum Beispiel ein Hotel oder Gasthaus für ihren Spenderball kostenlos den Festsaal zur Verfügung. Oder der Autohändler überlässt Ihnen für ein Wochenende kostenfrei einen Transporter. Auch solche Nutzungsspenden helfen Ihnen Geld zu sparen.

Zeitspende
Neben den vielen Ehrenamtlichen, ohne die kirchliche Arbeit nicht möglich wäre, sind Menschen punktuell bereit, Kreativität und Zeit für eine gute Sache zu spenden. Bei großen Kampagnen werden Sie erfahren, wie viele Ideen sich entwickeln. Bei einer Spendenkampagne zum Reformationsjubiläum 2017 in Wittenberg hatte eine Frau die Idee, 95 Paar Socken zu stricken und sie setzte diese Idee um. Bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen (Ostermarkt, Herbstmarkt, etc.) wurden die Socken zugunsten der Spendenkampagne der Stadtkirche verkauft.  Gunther Emmerlich, der Schirmherr der Kampagne initiierte in Dresden ein Benefizkonzert mit der Semper-Jazzband. Alle Musiker verzichteten auf ein Honorar. Der Erlös kam der Stadtkirche  zugute. Da die Karten vom Veranstalter, dem Lions-Club Dresden Centrum, verkauft wurden, musste die Kirchengemeinde dafür auch keine Umsatzsteuer abführen. Die Stadtkirche erhielt eine Spende vom Lions-Club und dieser erhielt eine Zuwendungsbestätigung.

Ein weiteres Beispiel: Bei einer Gemeinde in Norddeutschland musste der Kirchturm neu verfugt werden. Die Kosten betrugen ca. 43.000 Euro. Die Gemeinde hatte in den Jahren zuvor immer wieder größere Spendenaktionen gestartet und wollte nun nicht um Geld, sondern um Zeit werben. Es gelang, den Gerüstbau kostenfrei zu bekommen. Die Gemeinde bat per Brief männliche Gemeindeglieder um ihre aktive Mitarbeit. Die Resonanz war so groß, dass es eine Stundenplanung brauchte, damit alle Freiwilligen tatsächlich eingebunden werden konnten. Ein Bauunter-nehmen stellte zwei Facharbeiter zur Verfügung, unter deren Anleitung die Arbeiten fachgerecht ausgeführt wurden. Es gab ein Baufrühstück, eine tolle Stimmung und ein gestärktes Wir-Gefühl in der Gemeinde.

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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Literaturverzeichnis

 

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