Aktion in Goldburghausen wiegt finanzielles Untergewicht auf

Projekt
Die Evangelische Kirchengemeinde Goldburghausen im Kirchenbezirk Aalen hat begonnen, die Michaelskirche, deren älteste Teile ins 12. Jahrhundert zurückreichen, zu renovieren. Um den ersten Bauabschnitt des 450.000 Euro teuren Vorhabens zu realisieren, fehlten noch 10.000 Euro. Gesucht war eine Aktion, die mit einem Mal viele Menschen informiert und es leicht macht zu spenden. Bei nur 230 Gemeindemitgliedern eine ziemliche Herausforderung. Gefunden wurde die Aktion „Der Kirche Gewicht geben“. Ein Sprachspiel, das einerseits im übertragenen Sinn von „Wichtigkeit geben“ funktioniert, andererseits wörtlich verdeutlicht, dass es um Geldgewicht geht.

Durchführung
Gemeindemitglieder zimmern eine Balkenwaage aus Holz, welches ein örtlicher Betrieb spendet. Eine Nadel an der Spitze bringt einen Luftballon zum Platzen, wenn rechte und linke Waagenhälfte ausgeglichen sind. Auf dieser Waage – so wird über Gemeindebrief und Zeitung angekündigt – werden während des Gemeindefestes öffentlich Personen gewogen. Und zwar in der Weise, dass deren Gewicht auf der einen Waagenseite egalisiert werden muss durch das Gewicht beliebiger Euro-Münzen auf der anderen Waagenseite. Vorausgesetzt, die Bevölkerung bringt ausreichend Münzen mit. Damit keiner sagen kann, er habe nichts gewusst, ruft die Konfirmandengruppe einige Tage zuvor die Aktion mit einem Dorf-Spiel in Erinnerung. Dabei wird deutlich: Viele haben bereits Scheine in Münzen umgetauscht, andere haben versäumt, den Umtausch bei der Bank rechtzeitig anzumelden (das muss beim nächsten Mal bedacht werden).

Der Tag des Wiegens. Nach Gottesdienst, Mittagessen, Turmbesteigung, Posaunenwunschkonzert, bitten Konfirmanden die Gemeindefestbesucher zunächst um einen Wetteinsatz: Drei Euro sollen sie geben, wenn sie meinen, dass nur die Pfarrerstochter aufgewogen würde, zehn Euro, wenn auch das Gegengewicht der Pfarrerin zusammenkäme, und zwanzig Euro, wenn man überzeugt ist, dass dazu noch der Bürgermeister den Luftballon platzen ließe. Eine geschickter Kniff ist das, um Menschen, die von auswärts kommen und kein Münzgeld dabei haben, zu einer Gabe zu bewegen.

Sodann wird gewogen. Erster Durchgang, die kleine Pfarrerstochter; sie ist schnell aufgewogen. Nächster Durchgang, die Pfarrerin; das ist schon spannender: sie muss eine Weile warten, bis Säckchen, Schachteln und Spardosen auf der anderen Waagenseite genügend Druck erzeugen. Letzter Durchgang, der Bürgermeister; einige Besucher holen Nachschub aus ihrem Auto; andere Besucher leeren spontan ihren Geldbeutel. Schließlich geht das Platzen des Luftballons im allseitigen Applaus fast unter. Tagelang bleibt die Aktion Dorfgespräch. Charmant ist das Wiegen insofern, als wirklich jede und jeder zum Erfolg beitragen konnte, denn es kam ja nicht auf den Eurowert, sondern auf das Münzgewicht an, und das ist bei Centmünzen nur wenig geringer als bei Eurostücken.

Erfolg
Aufmerksamkeit, Anerkennung, Neugierde, Spannung, Freude
Mehr Gemeindefestbesucher als in den Jahren zuvor
1.700 Euro aus der Wiegeaktion
1.500 Euro aus Essen- und Getränkeverkauf

Quelle: Helmut Liebs: Damit die Kirche im Dorf bleibt: Fundraising. 55 beste Beispiele aus Württemberg. Stuttgart 2009

Foto: Gaby Neumeyer, Evang. Kirchengemeinde Goldburghausen

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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