Wegen massiver Probleme mit dem alten Geläut, z B. war eine Krone abgeschlagen und nur mit einem Stiftsbolzen wieder eingehängt, wurde deutlich: Stahlgussglocken haben nur eine Lebensdauer von rund 80 Jahren. Früher oder später musste mit dem Versagen des Geläutes gerechnet werden, so dass sich aus dieser Situation dringender Handlungsbedarf ergab. Eine Überarbeitung des alten Geläutes erschien nicht sinnvoll.

Da die St. Johannisgemeinde als Besitzer der Stahlglocken in der Verantwortung stand, musste sie handeln. Dem Kirchgemeinderat war klar, dass ein ein neues Glockengeläut nicht durch Haushaltsmittel der Gemeinde getragen werden kann. Geschätzt wurden die Kosten auf 185.000 €. So entstand im Jahre 2002 aus dem Druck der Situation heraus die Idee, ein neues Geläut für die Gemeinde und für die Stadt auf Spendenbasis zu verwirklichen.
Um die Idee zu verwirklichen bedurfte es großer Anstrengungen, die durch die Kirchgemeinde allein nicht zu tragen waren. So bildete sich ein Glockenausschuss unter der Leitung des Gemeindepastors, der die Organisation, die Zusammenarbeit mit der Stadt Neubrandenburg und die Einwerbung der finanziellen Mittel koordinierte.  
            
Weite Teile der Bevölkerung von Neubrandenburg konnten in das Projekt einbezogen werden. Das ging von den christlichen Gemeinden der Stadt, über Unternehmen und die Stadt Neubrandenburg selbst, die sich Partei übergreifend begeistern ließ. So ist es gelungen, fast eine „Volksbewegung“ für das Projekt „5 Glocken für Neubrandenburg“ zu initiieren. Vielen Menschen der Stadt beteiligten sich, weil „es geht um die Glocken meiner Stadt“ ging. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat viel bewegt, nicht nur in finanzieller, sondern auch in emotionaler Hinsicht. Das neue Geläut der St. Johannisgemeinde in der Konzertkirche wirkt identitätsstiftend in unserer Gemeinde und weit darüber hinaus in der Bevölkerung der Stadt.

Am 10. Dezember 2006, dem 2. Advent, wurden die neugegossenen Glocken in Neubrandenburg „begrüßt“. Nach dem Familiengottesdienst zum Thema „Glocken“ setzte  sich der Zug mit den schön geschmückten Glocken von der Johanniskirche in Richtung Marienkirche in Bewegung. Nach offiziellen Grußworten wurden die Glocken mit einem Glockenklöppel erstmalig per Hand zum Klingen gebracht. Etwa 4000 Neubrandenburger waren rund um die Marienkirche versammelt.

Zum Tag der Glockenweihe, dem 24.6.2007, dem Johannistag, wurde beim Komponisten Torsten Harder ein Musikstück in Auftrag gegeben, dass das Thema der Glocken zum Inhalt hat. Unter dem Titel: „ergo Maria vocor“ (Inschrift auf der Marienglocke) wurde das Stück im Festkonzert zur Glockenweihe am 24.6.2007 in der Konzertkirche uraufgeführt.

So konnte in nur 18 Monaten mit Hilfe der Bevölkerung, der Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Mecklenburg Vorpommern und der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin und vieler weiterer Sponsoren ein neues Geläut in Neubrandenburg erklingen.

E-Mail: kriedel@ellm.de

Die neuen Glocken in der Stadt vor der Konzertkirche
Foto: B. Lasdin

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