Im Jahr 2017, zum 200jährigen Bestehen der Tuttlinger Stadtkirche, soll die Stiftung Stadtkirche Tuttlingen in der Lage sein, die Kosten für den Gebäudeunterhalt sowie für das Gemeindeleben in der Kirche zu tragen. So lautet die Zielvorgabe. Weil die Stadtkirche der unweit des Bodensees gelegenen Stadt sowohl zentraler Gottesdienstort ist als auch viele kirchenmusikalische Veranstaltungen anbietet, dazu als Wahrzeichen firmiert, besteht begründete Hoffnung, dieses Ziel zu erreichen.

Von Bedeutung ist, dass Tuttlingens Evangelische Gesamtkirchengemeinde aus fünf Teilgemeinden besteht. Eine starke Stiftung würde den Gesamthaushalt entlasten, was auch den anderen Gemeinden zugute käme. Wie nun gelang es, das Stiftungsvorhaben überzeugend zu vermitteln?

Unter den verschiedenen Kommunikations- maßnahmen der Stiftung beeindruckt insbesondere die Stiftungsbroschüre.
 

Die Verantwortlichen haben entschieden, ein Premiumprodukt von hoher Wertigkeit zu gestalten. Das lässt sich an mehreren Punkten ablesen: auffallendes Querformat, Profifotos mit überraschender Bildsprache, sauber durchgestalteter Seitenaufbau, Positionierung bekannter Fürsprecher mit Foto und Statement, selbstbewusste Texte („Mittelpunkt kirchlichen Lebens“, „Zeichen protestantischer Selbstvergewisserung“, „Klangwunder“, „Kulturträger“), gutes Bilddruckpapier.

Wie kommt man zu einer solchen Darstellung? Die Wertigkeit der Broschüre speist sich aus mehreren vorzüglichen Quellen:

  • aus der außergewöhnlichen Architektur der Stadtkirche
  • aus ihrer besonderen Bedeutung
  • aus ihrem hohen Ansehen in der Bevölkerung
  • aus dem ehrgeizigen Ziel der Stiftung und
  • aus dem Potenzial der in Frage kommenden Gründungsstifter/innen.

Ziel war, die Stiftung mit mindestens 50 Gründungsstifter/innen zu errichten, die je wenigstens 2.000 Euro geben, und bis 2017 soll das Stiftungsvermögen durch Zustiftungen 500.000 Euro betragen. Wertigkeit der Kirche, der Broschüre, der Stiftung und der Gründungsstifter/innen bilden also eine Einheit. Und auch wer nicht stiftet, wird an der Broschüre Gefallen finden, weil sie die Kirche neu entdecken lässt.

Wer kam als Gründungsstifter/in in Frage? Bislang war der Fokus kirchlicher Arbeit eher nicht auf diese spezifische Zielgruppe vermögender Menschen gerichtet. Es wurden deshalb türöffnende Stiftungsbotschafter gesucht und gefunden, die auf in Frage kommende Privatpersonen und Unternehmen zugingen. Strategie der Argumentation: kein Appell an deren Mildtätigkeit. Stattdessen ein selbstbewusstes Angebot: Verbinden Sie Ihren Namen und Ihr Vermögen mit dem sinnvollen, nachhaltigen und renommierten Vorhaben einer Stiftung.

Dieses Angebot wurde der Öffentlichkeit mehrfach vermittelt: Adventsbazar, Orgelkonzert, Stiftungsausstellung, Beilage der Broschüre in den Gemeindebriefen, Stiftungsbotschafter gingen in die Gottesdienste der Teilgemeinden, Presse, Homepage (www.stadtkirche-tuttlingen.de). Als Sympathieträger fungiert zudem ein Stiftungswein.

Binnen eines Jahres Werbung waren 300.000 Euro Anfangskapital beisammen.

Text: Helmut Liebs, Fundraiser der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

E-Mail: helmut.liebs@elk-wue.de

Foto: Evangelische Landeskirche in Württemberg

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