In der Kolumne des Monats berichtet Helmut Liebs, Fundraising-Beauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, wie sich eine kleine Kirchengemeinde in der Nähe von Stuttgart einer plötzlichen Herausforderung gestellt hat und wie es ihr gelungen ist, Menschen zu bewegen.

Liebe Leserin,
lieber Leser,

Schopfloch im trocken-heißen Sommer 2015. Eine Hiobsbotschaft verbreitet sich in dem 50 Kilometer südlich von Stuttgart gelegenen Ort: Risse, und zwar bis zu zwei Finger breit, im Mauerwerk der Johanneskirche. Die Ursache ist schnell erkannt. Das sakrale Kleinod ist 1792 auf vormaligem Schwemmland gebaut worden; dieses ist nun ausgetrocknet und brüchig und gibt unter der Kirchenlast stetig nach. Damit sich die Kirche nicht weiter setzt und das Mauerwerk noch instabiler wird, werden sofort Maßnahmen ergriffen. Das sind Injektionen unter das Fundament, Abstützung der Fensterbögen und der Orgelempore, provisorisches Verputzen der Risse gegen Frostschäden des kommenden Winters. Und später dann muss die Kirche generalsaniert werden.

Viel Geld kosten diese Maßnahmen, nämlich 243.000 Euro. Die kleine evangelische Kirchengemeinde mit 400 Mitgliedern in dem Ort mit 700 Einwohnern verfügt zwar über Rücklagen; auch gibt es Zuschüsse; aber 40.000 Euro fehlen. Woher nehmen? Spendensammeln, klar. Aber wie sammeln? Bei wem? Und gleich so viel!

Doch das Fundraisingteam – es war bereits in den Jahren zuvor gebildet worden – verbreitet zuversichtlich mittels Kommunikation auf allen Kanälen: Die Dorfkirche geht uns alle an; sie gehört zu unserem kulturellen Erbe; gemeinsam werden wir ihre Rettung finanzieren. Damit das gelingt, werden wir die Menschen bewegen.

Gemeinsam finanzieren, indem wir Menschen bewegen – das ist schon fast eine Fundraisingstrategie. Etwas ausführlicher: Es geht darum, dass zahlreiche Angebote gemacht werden, die so attraktiv sind, dass sich viele Menschen unterschiedlichster Mentalität auf je individuelle Weise beteiligen. Kulturelles für die Kulturinteressierten, Geselliges für die Geselligen, Sportliches für die Sportlichen und so weiter. Angebote vor allem in Form von Mitmachaktionen müssen es sein. Etwa Benefizkonzerte unterschiedlicher Gruppen und Stile in der Kirche und außerhalb der Kirche, Brotback- und Verkaufsaktionen, Kunstverkaufausstellungen, Bücherflohmarkt sowie manches mehr – und: als Höhepunkt vor wenigen Wochen der „Lauf für Johannes“.

Lauf für Johannes. Anders als bei Sponsorenläufen üblich, mussten Läuferinnen und Läufer keine „Spender“, „Paten“, „Sponsoren“ oder wie auch immer bezeichnete Finanzierer finden, um laufen zu dürfen. Sondern das Fundraisingteam hat zuvor ein Dutzend Unternehmen gewonnen, die den Lauf und seine Läufer finanzieren. Goldsponsoren gaben je 1.000 Euro, Silber gab es für 450 Euro, und mit 150 Euro war man Bronzesponsor. Als Lauforganisator wurde der örtliche Turn-und Sportverein gewonnen; als Unterstützer zudem die Landfrauen, die Freiwillige Feuerwehr, der Liederkranz und die Bergwacht (siehe Foto). Gut 5.000 Euro kamen durch den Lauf im Mai dieses Jahres zusammen. Und mit den Ergebnissen aller bisherigen Aktionen, ist das Spendenziel von 40.000 Euro nahezu erreicht. Wer sich inspirieren lassen möchte, schaue hier: www.kultur-in-schopfloch.org/johannesbrauchtuns.

Ich wünsche Ihnen Zuversicht, sich  plötzlichen Herausforderungen mutig zu stellen. Es wird auch bei Ihnen gelingen, Menschen zu bewegen.

Ihr

Helmut Liebs, Fundraiser der Evangelischen Landeskirchen in Württemberg
helmut.liebs@elk-wue.de

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KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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