Heiligt der gute Zweck alle Mittel?
Ethik im Kirchlichen Fundraising

 

Fundraiser und Fundraiserinnen kennen die Gesetze und  Vorschriften (z.B. Datenschutzgesetz, Abgabenordnung, Gemeinnützigkeitsrecht), die eingehalten werden müssen. Diese geben Antwort auf die Frage: Was darf (muss) ich tun und was nicht? Brauchen wir darüber hinaus besondere ethische Regelungen? Ja, denn ethisch/moralische Fragen werden nicht in Gesetzen geregelt. Vor Sorge um den Erhalt des Kindergartens kann es passieren, dass ein Spendenbrief in seiner Tonalität über das Ziel hinaus schießt und Menschen, die zur freiwilligen Unterstützung gewonnen werden sollen, sich weniger motiviert als bedrängt fühlen. Auch wenn Not und Finanzbedarf groß sind: Fundraiser und Fundraiserinnen müssen bei ihrem Werben um Unterstützung stets die Freiwilligkeit der Entscheidung und die Bedürfnisse der Angesprochenen im Blick haben.

Fundraiserinnen und Fundraiser brauchen eine ethische Richtschnur für ihr Handeln. Das gilt ganz besonders dort, wo sich Kirchengemeinden oder kirchliche Einrichtungen mit dem Einwerben von Legaten und Vermächtnissen beschäftigen. Eine Herausforderung kann auch das Sponsoring darstellen, wenn die Frage auftaucht, ob und in welchem Maße die Unternehmensphilosophie eines Sponsors mit den Werten und Zielen der Kirchengemeinde oder kirchlichen Einrichtung übereinstimmt oder an welchen Stellen Werbebotschaften platziert werden können. Stehen diese Fragen im Raum, müssen sie schnell durchdacht und entschieden werden.
 

Kirchenfenster, Moses, St. Andrew's Cathedral, Somerset, Großbritannien

Erfahrene Fundraiser sind sich ihrer Verantwortung gegenüber Spendern und Spenderinnen, der Gesellschaft und den Leistungsempfängern bewusst. Auch in ethischen Fragen. Sie wissen, dass viele Spender dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) vertrauen. In den Leitlinien werden hohe Anforderungen auch an das ethisch-moralische Verhalten der Organisation gestellt. Der Ethik-Ausschuss des Deutschen Fundraising Verbandes hat „19 Grundregeln für eine gute, ethische Fundraisingpraxis“ verabschiedet, denen alle Mitglieder des Verbandes verpflichtet sind.

Zur Erläuterung der 19 Grundregeln und zu Ihrer Interpretation für die Praxis hat der Ethik-Ausschuss des Deutschen Fundraising Verbandes im Frühjahr 2014  einen Kommentar zu den Grundregeln herausgegeben und beim Kongress vorgestellt. Sie finden den Kommentar hier.

Das Fundraising einer Kirchengemeinde aber unterscheidet sich vom Fundraising für Greenpeace oder die SOS-Kinderdörfer. Kirchliches Fundraising kann sich an den vorgenannten Leitlinien orientieren, braucht aber eigene – theologisch fundierte -  ethische Standards auf Basis des kirchlichen Auftrages. Sie dienen der Orientierung für die Fundrasingarbeit und stärken nicht nur das Vertrauen von Spenderinnen und Spendern, sondern tragen zur gesellschaftlichen Anerkennung des Fundraisings bei. Fundraising gründet auf dem Vertrauen der Mitglieder und Förderer in die Kirchengemeinde und auf deren Glaubwürdigkeit. Dies betrifft insbesondere das Einwerben von Mitteln, deren Verwendung und die Rechenschaft hierüber.

Einige EKD-Gliedkirchen haben ethische Standards für das Fundraising entwickelt. Ob das in Ihrer Landeskirche der Fall ist, erfahren Sie von Ihrem Ansprechpartner. Wenn es solche Standards in ihrer Landeskirche gibt, sollten Sie sich diese zu eigen machen und sie in Ihrer Gemeinde kommunizieren. Sollte es noch keine Standards geben, sollten Sie zu deren Entwicklung beitragen, um ihrem kirchlichen Fundraising eine ethisch-moralische Richtschnur zu geben. Dabei können Standards und Leitlinien aus EKD-Gliedkirchen sicher eine Hilfe sein. Als Beispiel Sie hier die Broschüre Gemeinsam Gutes Tun der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern zum Download. In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wurden neben den ethischen Standards für Fundraising spezifische Standards auch für das Einwerben von Testamenten und Legaten sowie für das Sponsoring formuliert.

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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Literaturverzeichnis

 

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