Ein Beispiel für eine gelungene Verantwortungspartnerschaft

Pilgern liegt im Trend. Im Juni 2009 griff die Lippische Landeskirche dieses Bedürfnis auf und entwickelte die Projektidee, einen Pilgerweg in Lippe anzulegen. Zielsetzung war, die bereits bestehenden Angebote um neue spirituelle Zugänge zum Glauben zu ergänzen und den Glauben mit Leib und Seele erfahrbar zu machen. Darüber hinaus sollen „kirchenferne Teilnehmer“ erreicht werden, die keinen oder keinen engen Bezug zu ihrer örtlichen Kirchengemeinde haben. Daraus entstanden sind der 162 km lange markierte Pilgerweg „Pilgern in Lippe“, die Ausbildung ehrenamtlicher Pilgerbegleiter, Angebote des begleiteten Pilgerns für Gruppen sowie das Buch zum Weg.

Das Fundraising wurde in der Konzeptionsphase angefragt, die finanziellen Mittel zu akquirieren. Es zeigte sich jedoch sehr schnell, dass nicht vorrangig die finanziellen Mittel, sondern zunächst die personellen Ressourcen bereit zu stellen bzw. zu erweitern waren. Damit verlagerte sich die Akzentsetzung im Fundraising. Das Fundraising musste kompetente Partner finden und für dieses Projekt gewinnen. Mit und über dieser Aufgabe lag die weitere Steuerung des Gesamtprojektes „Pilgern in Lippe“ in der Verantwortung des Fundraising. Hier wurden die Menschen miteinander verbunden und Beziehungen vertieft.

Bei der Auswahl der Netzwerkpartner kamen diejenigen Verbände und Institutionen in Frage, die sich mit der Region Lippe identifizieren, und ihr verbunden fühlen, denn mit dem Pilgerweg sollten die Pilger Lippe auch kennen und lieben lernen. Dazu kam, dass kein Budget vorhanden war, um diese Partner bezahlen zu können. Die Partner müssten freiwillig mitarbeiten wollen. Nach Auffassung der BertelsmannStiftung* wollen das diejenigen, die Freude daran haben, ihre Kernkompetenz mit einem gesellschaftlichen Anliegen zu verbinden: regional ansässige, kleine und mittelständische Unternehmen und Einrichtungen.

Als Partner konnten gewonnen werden die Lippe Tourismus Marketing AG, der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge, der Teutoburger-Wald-Verein und der Lippische Heimatbund. Mehrere kleine und mittelständische Unternehmen unterstützten das Projekt mit Pro Bono Leistungen.

Zwei Jahre lang nahmen sich die Partner regelmäßig Zeit, den Lippischen Pilgerweg miteinander zu bedenken, zu planen und zu entwickeln. Die Prozessorientierung war allen wichtig. Es gab niemanden, der schon zu Anfang die endgültige Lösung auf den Tisch legte. Jeder der Partner hatte Raum, die eigene Identität zu zeigen und zu wahren. Jeder der Partner brachte seine Stärken und Kernkompetenzen mit ein:

Der Naturpark brachte seine Fachkompetenz über die naturkundlichen Besonderheiten der Region mit ein und förderte das Projekt mit Mitteln des Landes NRW.

Der Lippische Heimatbund und Teutoburger-Wald-Verein übernahmen die Weggestaltung, -markierung und das gesetzliche Genehmigungsverfahren.

Die Lippe Tourismus Marketing AG übernimmt das Marketing innerhalb und außerhalb der Region und knüpft Kontakte zu den Vertretern der Tourismusbranche.

Die Lippische Landeskirche gewann ehrenamtliche Mitarbeitende, die als Multiplikatoren und Unterstützer zum Erfolg des Projektes beitragen und bildete ehrenamtliche Pilgerbegleiter aus. Die beteiligten Kirchengemeinden erleben sich in gastgebender Funktion. Dies beinhaltet eine zum Teil ungewohnte Öffnung nach außen, aber auch die Chance für gemeinschaftsstärkendes Handeln.

Durch die Einbindung der Netzwerkpartner gelang es, das Projekt nachhaltig in der Region zu verankern und Synergieeffekte zu erzielen. Die prozessorientierte Entwicklung des Projektes bereits in der Konzeptionsphase führte zu einer starken Verbundenheit mit dem Projekt und damit zur Vermittlung weiterer Kontakte und Unterstützer.

Das Projekt wurde zur Herzensangelegenheit der einzelnen Akteure und ihr Zusammenspiel ergab mehr als die Summe der Einzelteile: ein starkes Netzwerk, das auch jetzt noch weiter besteht.
 

*„Verantwortungspartnerschaft“ ist eine abgewandelte Form der Unternehmenskooperation. Der Begriff „Verantwortungspartnerschaft“ stammt von der BertelsmannStiftung und kennzeichnet ein Modell für eine regionale Kooperation, bei dem unterschiedliche Partner aus der Region gemeinsam daran arbeiten, die Lebensqualität vor Ort über ein konkretes gemeinnütziges Projekt zu erhöhen. Die Partner können Unternehmen, Verein, Stiftungen, Kommunen oder Verbände sein, ihre Zusammenarbeit kann in einem losen Netzwerk oder anderen Rechtsformen erfolgen.

 

Weitere Informationen über das Projekt:

www.pilgern-in-lippe.de
pilgern@lippische-landeskirche.de
Lippische Landeskirche, Tel.: 0 52 31/9 76-726

Bild: Evangelisch-reformierte Kirche Bloimberg
Bildnachweis: Lippische Landeskirche

Text:
Anja Halatscheff
anja.halatscheff@lippische-landeskirche.de
Tel.: 0 52 31/9 76-726

Alexandra Ripken
Alexandra.ripken@kircheanhalt.de
Tel.: 0 36 253/4 77 95,

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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