1. Was ist eigentlich Fundraising?

2. Wie lässt sich Fundraising in Kirchengemeinden theologisch begründen?

3. Können wir trotz Kirchensteuer noch Spenden einwerben?

4. Was hat Fundraising mit Mitgliederorientierung zu tun?

5. Was hat der Kirchenvorstand mit dem Fundraising zu tun?

6. Was ist eigentlich Sponsoring?

1.  Was ist eigentlich Fundraising?

Das angelsächsische Wort Fundraising (fund = Mittel, Kapital, Geld; to raise = erheben, wachsen lassen, einwerben) hat sich inzwischen auch in Deutschland etabliert. Allerdings verwenden viele Einrichtungen und Organisationen den Begriff Fundraising nur intern, nicht gegenüber Mitgliedern, Spenderinnen und Spendern. Dies erscheint solange sinnvoll, wie das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch noch wenig geläufig ist.

"Fundraising heißtFriendraising!" So erläutert Christian Rupp, Fundraiser im Dekanat Bergstraße der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, den unbeliebten Begriff. Seinen Artikel lesen Sie hier.

Was also ist Fundraising, und zwar speziell kirchliches Fundraising? Fundraising baut Beziehungen auf oder vertieft vorhandene Beziehungen zu Menschen, mit denen gemeinsame Werte und Visionen geteilt werden. In Kirchengemeinden dürften das zu allererst die Gemeindemitglieder sein. Fundraising lädt ein, teilzuhaben, mitzugestalten, gemeinsame Träume wahr werden zu lassen, etwas zu bewegen, die Welt ein Stückchen weit zu verbessern. Wenn es durch die Kommunikation gelingt, die Menschen neugierig zu machen für kirchliche Themen und Aktivitäten, sie dafür zu begeistern und ihre Herzen zu erreichen, dann werden diese Menschen ganz von selbst den Wunsch verspüren, mitzuhelfen, dabei zu sein, Teil eines Projektes zu werden und es – je nach ihren Möglichkeiten – zu unterstützen. In der Praxis bedeutet Fundraising also vor allem Kommunikationsarbeit.

Kirchliches Fundraising wirkt auch darauf hin, Mitglieder an die Kirche zu binden, ausgetretene Mitglieder zurück- und neue hinzu zu gewinnen.

Es versteht sich als ein Prozess, der auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt ist. Es bedeutet, Strategien und Aktivitäten zum Einwerben von Ressourcen zu planen und umzusetzen und anschließend den Erfolg auch zu überprüfen. Zu den Ressourcen zählen Zeit-, Sach- und Geldspenden, Dienstleistungen, Stiftungsgelder, Geldauflagen (Bußgelder), öffentliche Zuschüsse, ideelle Unterstützung wie das Anbahnen von Kontakten sowie – mit gewissen Besonderheiten – das klassische Sponsoring. Soweit die Theorie.

Das Ziel von Fundraising ist nicht das Einwerben von Geld! Stattdessen will Fundraising es im Zusammenwirken von Bittenden und Gebenden schaffen, die alte Orgel zu sanieren, einen Besuchsdienst für alte und kranke Gemeindemitglieder aufzubauen, Notfallhilfe für Krisensituationen in Familien zu leisten. Erfolgreiches Fundraising sorgt also dafür, dass dringend notwendige, qualitativ hochwertig und quantitativ bedarfsgerecht durchgeführte Projekte oder Aufgaben in Angriff genommen oder fortgeführt werden können. Kirchliches Fundraising wird sich dabei dem Auftrag der Kirche – der Verkündigung des Evangeliums – immer unterordnen. Es wird aber auch – zumal in einer sich wandelnden Gesellschaft – zukünftig immer stärker dazu beitragen, dass der kirchliche Auftrag überhaupt erfüllt werden kann.
 
2.  Wie lässt sich Fundraising in Kirchengemeinden theologisch begründen?

In der Bibel ist die Gabe nahezu allgegenwärtig. Gott wird gelobt als derjenige, der ganz ursprünglich, zuvorkommend, reichlich gegeben hat: die Erde, menschliches Leben und alles, was es zum Leben braucht. Schließlich sogar sich selbst in der Selbsthingabe in seinem Sohn.

Um Fundraising, die Bitte um eine Kollekte oder Spende, theologisch zu begründen, braucht man nur bei Paulus nachzulesen, am besten im achten und neunten Kapitel des zweiten Korintherbriefes: In der sogenannten Kollekte des Paulus bittet er um Spenden für die Jerusalemer Gemeinde. „Indem Paulus für beides, für das göttliche Geben und Nehmen und für das menschliche Geben und Nehmen denselben Begriff der Charis gebraucht, verschränkt er die göttliche Gerechtigkeit und das menschliche Tun in einer nahezu ununterscheidbaren Weise“, schreibt Thomas Kreuzer in seiner Abhandlung „Grundzüge einer Theologie der Gabe“. Deshalb auch steht die Kollekte so im Zentrum in der Theologie des Paulus.

Sie können den Artikel, der in Geben und Gestalten. Brauchen wir eine neue Kultur der Gabe? Band 4 der Reihe Fundraising-Studien im LIT Verlag, erschienen ist, hier downloaden.

Lesen Sie auch den Artikel "Vision und Vermögen verbinden. Kirchliches Fundraising theologisch bedacht" von Helmut Liebs, den Sie hier downloaden können.

3.  Können wir wirklich Spenden einwerben, obwohl die Mitglieder doch schon Kirchensteuer zahlen?

Viele Menschen wissen nicht, dass schon heute nur etwa ein Drittel aller Gemeindemitglieder Kirchensteuer zahlt. Denn diese Steuer wird nur von Menschen entrichtet, die Lohnsteuer oder Einkommensteuer zahlen, also von Erwerbstätigen oder von Menschen mit anderen (ausreichend hohen) Einkünften – zum Beispiel in Form von Mieten oder Kapitalerträgen. Das sind nur etwa ein Drittel der Kirchenmitglieder. 

Im Zuge der demographischen Entwicklung wird der Anteil der Kirchensteuerzahler bis zum Jahr 2030 um ein Drittel sinken, die Einnahmen aus Kirchensteuer sogar um die Hälfte. Dies prognostizierte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 2006. Ohnehin ist die Kirchensteuer, wie wir sie in Deutschland kennen, eine weltweit fast einmalige Konstruktion. Die Kirchengemeinden in fast allen anderen Ländern finanzieren sich rein aus freiwilligen Gaben der Gemeindemitglieder – zum Beispiel mit dem biblischen „Zehnten“.

Es ist eine fest verankerte Tradition der Kirche, dass sie die meisten ihrer Angebote kostenfrei zugänglich macht. Und so kommt es, dass überwiegend (ältere) Menschen die Gemeindeangebote in Anspruch nehmen, die keine Kirchensteuer (mehr) zahlen. Die allermeisten von ihnen dürften sich nicht darüber im Klaren sein, wie kirchliche Arbeit sich finanziert.

Und sie dürften auch nicht wissen, dass die Zuweisungen, die eine Kirchengemeinde von ihrer Landeskirche erhält, sich nicht nach dem Lohn- und Einkommensteueraufkommen im Einzugsbereich der Kirchengemeinde richten. Statt dessen erhalten die Kirchengemeinden in der Regel einen festen Betrag pro Gemeindemitglied von ihrer Landeskirche. Ähnlich dem Länderfinanzausgleich existiert auch hier ein Ausgleichsystem: Finanzstarke Landeskirchen finanzieren die finanzschwachen Landeskirchen durch einen Ausgleichbetrag mit.

Speziell diesen Menschen, die nicht kirchensteuerpflichtig sind, von denen aber Viele aufgrund einer starken Verbundenheit mit ihrer Kirche oder Kirchengemeinde gerne zu einer Unterstützung bereit und auch in der Lage wären, möchte kirchliches Fundraising Alternativen zur Kirchensteuer anbieten. Dabei soll es sich immer um ein reines Angebot handeln –  eine Einladung also an potenzielle Förderer, in einer bewussten, frei gewählten Weise mitzuwirken und mitzuhelfen, um die evangelische Kirche in der Gesellschaft zu stärken.

Die Antwort lautet also: Ja, wir dürfen Mitglieder um Unterstützung bitten, und sie haben die freie Wahl, es zu tun oder zu unterlassen. Ausführliche Informationen zuu allen Fragen rund um die Kirchensteuer und Kichenfinanzen finden Sie hier.

Detaillierte Hinweise zur Kirchensteuer finden Sie in der Publikation "Die Kirchensteuer. Eine kurze Information" von Jens Petersen und in seinem Buch „Kirchensteuer kompakt (strukturierte Darstellung mit Berechnungsbeispielen)“, Gabler Verlag 2010.

4.  Was hat Fundraising mit Mitgliederorientierung zu tun?

Fundraising ist ohne Mitgliederorientierung – ohne das Ermitteln, Erfassen und Achten von Mitgliederwünschen und –erwartungen – nicht denkbar. Es ist eine Grundüberzeugung von Fundraising, dass nur zufriedene Mitglieder, Besucher, Gäste, Geschäfts- und Kooperationspartner sich zu Freunden und Förderern werden entwickeln können. „Qualität“ ist zwar fast ein Tabu-Wort in kirchlichen Zusammenhängen. Aber ohne Qualitätsbewusstsein, ohne das Erspüren, was in einer Kirchengemeinde zukünftig noch verbessert werden kann, wie die Zufriedenheit von Mitgliedern, Mitarbeitenden, Leitung und externen Partnern angehoben werden kann, kann Fundraising nicht dauerhaft gelingen.

Fundraising kann sich somit gleichzeitig sehr positiv auf den Gemeindeaufbau und die Gemeindeentwicklung auswirken. Auf der Basis einer besseren Mitgliederorientierung und durch mitreißende Fundraising-Projekte können das Gemeindeleben intensiviert, Besucherzahlen gesteigert, das Gemeinschaftsgefühl in der Gemeinde gestärkt werden. Fundraising für sinnvolle und drängende Projekte oder Anschaffungen kann die Freunde und Förderer der Kirchengemeinde begeistern, und sie können erleben, wie sie gemeinsam etwas schaffen, was vielleicht jahrelang nicht zu gelingen schien. Fundraising hat also sehr viel mit Mitgliederorientierung, mit Gemeindeaufbau und mit Gemeindeentwicklung zu tun.

5.  Was hat der Kirchenvorstand mit dem Fundraising zu tun?

Die kurze Antwort lautet: sehr viel. Ohne den Kirchenvorstand geht im Fundraising nichts. Denn Fundraising muss in die Strukturen der Kirchengemeinde eingefügt, und eine sinnvollerweise einzurichtende Arbeitsgruppe muss offiziell durch den Kirchenvorstand beauftragt bzw. ernannt werden. Zuallererst muss der Kirchenvorstand jedoch eine klare Entscheidung dafür treffen, Fundraising in der Kirchengemeinde wirklich zu wollen und es mit zu tragen. Bei der Konzipierung von Fundraising-Aktivitäten und bei deren Umsetzung sind die Mitglieder des Kirchenvorstandes ebenfalls wichtige Unterstützer und Mitmacher. Ausführliche Informationen zu diesem Themenbereich finden Sie hier.

6.  Was ist eigentlich Sponsoring?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Sponsoring häufig als Synonym für Spendenwerbung oder Einnahmen in Form von Spendengeldern verwendet. Als Sponsoren werden umgangssprachlich oft all diejenigen bezeichnet, die mit ihren Privatspenden, Firmenspenden, Sachleistungen usw. gemeinnützige Projekte fördern. Diese Begriffsverwendung ist zwar geläufig, nicht aber korrekt.

Unter Sponsoring versteht man vor allem Zuwendungen, insbesondere in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungen, von Unternehmen an eine Organisation oder für ein Projekt mit der Erwartung, eine vereinbarte Gegenleistung zu erhalten.
Die Gegenleistungen dienen in der Regel den Marketing-Zielen des Unternehmens. Sie sind oftmals werblicher Art, zum Beispiel eine hervorgehobene Platzierung des Unternehmenslogos auf Plakaten, Flyern, Eintrittskarten, Broschüren und Homepage (mit Link) oder die Namensgebung für Gebäudeteile oder Räume.

Weitere attraktive Gegenleistungen sind Produktwerbung, die Möglichkeit zur Vorstellung des Unternehmens bei einer Veranstaltung, die kostenfreie Nutzung von Angeboten durch Mitarbeitende des Unternehmens, eine Einladung zu einem Pressegespräch oder einer Podiumsdiskussion usw.

Sponsoring wird sowohl beim Sponsor als auch beim Empfänger steuerlich anders behandelt als Spenden. Einnahmen aus Sponsoring können beim Empfänger eine Steuerpflicht auslösen.

Weitere Informationen zum Sponsoring und zu anderen Formen der Unternehmenskooperation finden Sie hier.

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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Literaturverzeichnis

 

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